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Leserechtschreibschwäche

Meist stecken medizinische Probleme dahinter: Lernstörungen sind oft behandelbar

'Schlechte Schulnoten sind nicht immer die Folge von Faulheit. Lernprobleme haben oft medizinische Gründe, die sich beheben lassen. Regelmäßige Eingangsuntersuchungen können für die Zukunft der Kinder von entscheidender Bedeutung sein. Kind am PC (LRS)

Darauf weisen Ärzte und Wissenschaftler vom Universitätsklinikum Benjamin Franklin (UKBF) hin. Prof. Manfred Gross, Direktor der Klinik für Audiologie und Phoniatrie, berichtet, dass gerade auch Hörstörungen (“auditive Verarbeitungs- oder Wahrnehmungsstörungen“) viel zu häufig übersehen werden. Er warnt auch davor, bei nicht ausreichend diagnostizierter Hyperaktivität (“Zappelphilipp-Syndrom“) vorschnell zu Medikamenten zu greifen.

Einige Hörstörungen werden erst im schulfähigen Alter entdeckt

Die Berliner Uniklinik registriert in den letzten Jahren einen drastischen Anstieg von jungen Patienten mit großen Schulschwierigkeiten. Allein im vorigen Jahr wurden 200 Kinder wegen erheblicher Probleme beim Schreiben und Lesen untersucht. Nicht selten haben die Kinder eine Odyssee hinter sich. Zuvor hatten Eltern und Lehrer oft beobachtet, dass die Gedächtnisleistung für gesprochene Sprache sowie für Gehörtes beeinträchtigt sind. Tatsächlich trifft dies etwa bei der Hälfte der vorgestellten Patienten zu. Bei einem Teil, besonders bei Kindern mit Leselern-Problemen, bestehen Schwierigkeiten beim Sehen.

Die größte Gruppe der vorgestellten Kinder sind Schüler der 2. bis 4. Klasse. Viele von ihnen hatten Probleme beim Spracherwerb oder lang anhaltende, frühkindliche Hörstörungen. Bei einigen finden sich auch zum Untersuchungszeitpunkt noch Hörstörungen, die bisher unerkannt geblieben sind, aber unbedingt behandelt werden müssen. Lebensbedrohliche Veränderungen (wie Tumoren) sind in diesem Zusammenhang zum Glück höchst selten.

Ärzte greifen häufig zu schnell zu Medikamenten

Typische Schwierigkeiten von Kindern mit Hörstörungen treten beim Diktatschreiben auf. Auslöser für die Beschwerden können krankhafte Veränderungen an Außen-, Mittel- und Innenohr, an den aufsteigenden Hörbahnen sowie in der zentralen Verarbeitung sein.

Wechselwirkungen bestehen gelegentlich mit anderen Symptomen, zum Beispiel eine reduzierte Aufmerksamkeit oder Hyperaktivität. Nach Meinung der Wissenschaftler der Berliner Uniklinik wird bei diesen Symptomen zu großzügig und zu voreilig zu Medikamenten gegriffen. Nur wenn eine umfassende Untersuchung der Lernstörungen erfolgt, kann eine Therapie stattfinden, die bei den Ursachen ansetzt.

Die ersten vier Lebensjahre sind entscheidend für die Entwicklung

Die ersten vier Lebensjahre sind wesentlich für die Entwicklung eines normalen Sprachhörvermögens. Bereits bei einem Hörverlust von mehr als 25 dB über einen Zeitraum von mehr als drei Monaten (wie er etwa bei häufigen Mittelohrentzündungen eintritt) sind nicht wieder gutzumachende Beeinträchtigungen der Sprachentwicklung zu befürchten.

Eltern von Kindern mit Schulschwierigkeiten rät Professor Gross, die Probleme so früh wie möglich mit den Lehrern zu besprechen. Bei der Abklärung der allgemeinen Leistungsfähigkeit kann auch der Schulpsychologische Dienst helfen. Weitere sinnvolle Anlaufstellen sind augen- und ohrenärztliche Untersuchungen. Eine weiterführende Diagnostik zur Sprachwahrnehmung wird von Fachärzten für Phoniatrie und Pädaudiologie angeboten.