11. Koblenzer HörDialog

Auch der 11. Koblenzer HörDialog fand in Räumlichkeiten mit besonderem Ambiente statt

Wir waren am 29. September 2011 zu Gast im Görreshaus.

 

Hören was nicht erklingt und die Vorteile moderner HörSysteme waren die Vortragsthemen.

 

Zuerst referierte der HörAkustikerMeister, PädAkustiker und CI-Spezialist, Robert Schmitz über die technischen Unterschiede heutiger HörSysteme in den verschiedenen Preisklassen. Auf der Grundlage von Hörsituationen, beginnend beim Dialog zweier Menschen zu Hause und endend in der Geräuschkulisse eines Stadions erklärte Robert Schmitz die unterschiedlichen Anforderungen an moderne HörSysteme. So stellte er den Nutzen verschiedener Mikrofonsysteme, Störgeräuschunterdrückungsfähigkeiten, uvm anhand von 5 Leistungsklassen vor. Er klassifizierte die HörSysteme in Basisgeräte, untere Mittelklasse, Mittelklasse, obere Mittelklasse und Premiumklasse. In dem allgemein sehr gut verständlichen Referat nannte Robert Schmitz auch die Preiskategorien in den verschiedenen Segmenten und ging auf die Festbeträge der gesetzlichen Krankversicherer aber auch auf die individuelle Kostenübernahme der privaten Versicherer ein. Mit einem Lächeln meinte Robert Schmitz, dass der Wertverlust eines Automobils der Mittelklasse im ersten Gebrauchsjahr höher sei, als die Kosten für zwei HörSysteme der Premiumklasse, die mindestens 6 Jahre eine optimale Verbesserung der Lebensqualität garantieren.

Fazit des Referats: Für jeden Anspruch gibt es eine optimale Lösung, allerdings kann man von HörSystemen des Basissegments nicht  die Leistungen der Premiumklasse erwarten - ähnlich wie beim Auto-.

 

Dr. Matthias Latzel, Leiter der audiologischen Abteiliung der Firma Phonak, Deutschland, sprach als zweiter Referent über neue Strategien bei der Anpassung moderner HörSysteme. Nachdem er eindrucksvoll die Verarbeitung eines akustischen Signals vom Trommelfell bis zum Ende des Innenohres an akustischen und optischen Darstellungen aufgezeigt hatte, sprach er über die Hörforschung der letzten Jahre. Diese habe gezeigt, dass reine Verstärkung bei der Versorgung von Schwerhörigen nicht immer zum gewünschten Erfolg führt, also zu einer Verbesserung des Sprachverstehens in störbehafteter Umgebung. Deshalb verfolgt man bei Hörminderungen, die einen besonders hohen Hörverlust bei hohen Frequenzen aufweisen, sehr oft die Strategie „weniger ist mehr“, so dass die Verstärkung bei hohen Frequenzen nicht komplett die Hörminderung ausgleicht. Mit dieser Methode erreicht man dann, dass viele Nachteile wie Rückkopplung und sehr scharfe Einstellungen der HörSysteme nicht mehr auftreten. Jedoch wird das Sprachverstehen, insbesondere im Störgeräusch, mit einer solchen Einstellung nicht ausreichend wieder hergestellt. Um aber auch besondere Hörminderungen ausreichend versorgen zu können, hat die Firma Phonak ein neuartiges Konzept entwickelt, welches in den meisten Phonak-Hörgeräten integriert ist. Das besondere an diesen Konzept sei, so Dr. Matthias Latzel, das die Frequenzsituationen so umsortiert und komprimiert in einen noch besser hörbaren Frequenzbereich verschoben werden, das für das Sprachverstehen wichtige Sprachanteile wieder wahrnehmbar werden.

Fazit des Referats: Das von Dr. Matthias Latzel vorgestellte Verfahren zeigte auch im Rahmen einiger Studien die guten Erfolge dieses Konzeptes bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen. Allerdings: Es ist eine längere Eingewöhnung notwendig, bis sich die gewünschten positiven Ergebnisse einstellen.

 

Prof. Dr. Wolfgang Martin Stroh, emeritierter Professor für Systemische Musikwissenschaft an der Universität Oldenburg, hielt das Hauptreferat zum Thema „Hören was nicht erklingt - Der konstruierende Musikhörer“. Mit vielen akustischen Beispielen und optischen Darstellungen begeisterte Prof. Dr. Stroh die Zuhörer. Optische Täuschungen sind wohlbekannt: ein Grauton wirkt hell oder dunkel je nach der Umgebungshelligkeit, eine Treppe, die Escher gemalt hat, geht endlos aufwärts und ein Schlag auf's Auge löst Sternchen aus, die nicht am Himmel stehen. Dann stellte Prof. Dr. Stroh die Fragen: Gibt es eigentlich auch prägnante akustische Täuschungen? Hören alle Menschen dasselbe, wenn Musik erklingt? Liegt die Botschaft von Musik in deren Struktur, oder konstruiert der Hörer jeweils das, was er gerne hören möchte? Es gibt zahlreiche hörpsychologische Experimente zum sogenannten „musikalischen Konstruktivismus“, die uns nicht nur in Erstaunen versetzen und „aufhorchen“ lassen, sondern auch zum Nachdenken über Wahrnehmung und gegenseitiges Verstehen anregen.

Aus der Vielfalt vieler Experimente zeigte Prof. Dr. Stroh an Hand von sechs ausgesuchten Beispielen, wie sich unsere Hörwahrnehmung ähnlich unserer optischen Wahrnehmungen durchaus täuschen lässt. Die sechs ausführlich dargestellten und erklärten Phänomene waren: Visuelle Mehrstimmigkeit - Der Cocktailparty-Effekt - Vieldeutiger Rhytmus - Der Verdeckungseffekt - Verschmelzung-die Oktave - Musikalische Endlosschleife.

 

Nach diesen Vorträgen, die allesamt sehr positiv von den Teilnehmern des 11. Koblenzer HörDialog aufgenommen wurden, haben Manfred & Robert Schmitz zu einem kleinen Empfang ins Foyer des Görreshauses eingeladen. Bei Wein, Sekt und vielen Leckerein haben die Gäste die Möglichkeit genutzt, einen intensiven Dialog mit den Referenten und den Repräsentanten von Hörstudio S zu führen.

Empfang 11. Koblenzer HörDialog

Vortrag Robert Schmitz HörDialog

Vortrag Dr. Latzel HörDialog

Vortrag Dr. Stroh HörDialog