15. Koblenzer HörDialog

 

Der 15. Koblenzer HörDialog fand am 16. September 2015 im Kongress Zentrum, der Rhein-Mosel-Halle statt.

 

Zu der Abendveranstaltung konnten profunde Referenten gefunden werden. So befasste sich die Informationsveranstaltung, die sich an Kunden unseres Hauses, HNO-Ärzte und interessierte Bürgerinnen und Bürger richtet, mit der Evolution der Sinne und die der Hörtechnik.

 

Thema des Abends:

Die Entwicklung unserer Sinne in einer Epoche von 3,5 Milliarden Jahren und die der Hörhilfen von der Antike bis heute. Aber was kommt morgen?

 

Zum Auftakte zeigte der durch GEO-Kompakt und GEO-Wissen bekannte Wissenschaftsjournalist Dr. Hennig Engeln mit einem lebendigem Bildvortrag die für uns unvorstellbare Entwicklung der Sinne im laufe von 3,5 Milliarden auf. Aus den ersten Entwicklungen vor 3,5 Milliarden Jahren entwickelten sich vor 2 Milliarden Jahren die ersten Einzeller aus denen vor 750 Millionen Jahren der ersten VIERZELLER und die ERSTEN SINNESORGANE hervor gingen, die Quallen. Die weitere Entwicklung:

  • Vor 540 Millionen Jahren KAMBRISCHE RADIATION und VIELFALT DER SINNESORGANE

  • Vor 430 Millionen Jahren eroberten die GLIEDFÜSSLER (Spinnen, Insekten) das Land

  • Es folgten vor 375 Millionen Jahren die WIRBELTIERE

  • Vor 235 Millionen Jahren entstehen die DINOSAURIER aus denen später die Vögel entstanden.

  • Die SÄUGETIERE entstanden vor 200 Millionen Jahre

  • Vor 65 Millionen Jahren sterben die DINOSAURIER aus und die SÄUGETIERE erleben eine Blütenzeit.

  • Vor 2,5 Millionen Jahren entsteht der MENSCH und mit ihm die Fähigkeit über sich selbst nachzudenken.

Im Anschluss zeigte der Verleger und Autor von Fachpublikationen in der HörAkustik und der HNO-Heilkunde, Rainer Hüls die Entwicklung der Hörhilfen von der Antike bis heute auf.

Die Hilfen in der Antike bis zum Mittelalter: Hand, spezielle Perücken, Jagd-Hörrohre, mittelalterliche Hörrohre.

17. – 19. Jahrhundert: akustische Hörhilfen, Rohre, Stöcke, Fächer, Brillen etc.

20. Jahrhundert: elektrische (analoge) Hörhilfen über Luft, Knochen und Vibroaktil, Audiologische Implantate (analog) für Innenohr, Mittelohr und Knochenverankert,

21. Jahrhundert: digitale Hörhilfen und digitale audiologische Implantate.

Rainer Hüls brachte die Teilnehmer immer wieder mit seinen vielen und originellen Bildern zum Schmunzeln. Aber auch zum Staunen welche Prominenten Hörgeräte nutzen (Hier eine kleine Auswahl: Mario Adorf, Udo Jürgens, Rudi Carell, Helmut Schmidt, Bill Clinton).

 

Nach der Pause ging es sofort in die Zukunft: Stromsparwunder Hörgerät, lautet das Thema von Sascha Haag. Nachdem er an Beispielen erklärte was modernste HörSysteme heute schon alles zu leisten in der Lage sind (die ständige Kommunikation und automatische Programmabgleiche der beiden HörSysteme, Einbindung von Radio, Fernsehen, Handy, Programsteuerung über Handy usw. ging er sofort auf die millionenfachen Rechenlösungen pro Sekunde der HörSysteme ein. Computer und modernen Handy´s lösen wesentlich mehr Rechenaufgaben pro Sekunde, jedoch benötigen die HörSysteme pro Rechenvorgang deutlich weniger Strom. Das war dann auch das Stichwort für einen Einstieg in die nähere Zukunft moderner HörSysteme. Die Batterie wird entfallen. Diese wird ersetzt durch Brennkammern, die mittels Bioethanol gespeist werden. Der frei werdende Platz wird anderweitig genutzt. Im Rahmen des durch die EU geförderten WieserBAN-Projekts werden Vernetzungen von bisher nicht geahnten Möglichkeiten Realität. So werden kleinste Camera´s und Sonden in die HörSysteme eingebettet werden die eine ständige Überprüfung der Herzfrequenz, des Blutdrucks, des Blutzuckers und vieles mehr überwachen. Sie machen den Träger aufmerksam wenn ein kleiner Schlaganfall bevorsteht oder sich gerade unbemerkt vollzogen hat. Alle ermittelten Daten werden per Bluetooth an das Handy geliefert von dort auf Wunsch an den Computer des behandelnden Arztes weitergeleitet. Haag nannte eine Markteinführung um das Jahr 2022 für durchaus realistisch.

 

Den Abschluss der Vortragsreihe machte Christopher Southernwood mit einem gänzlich ungewöhnlichen Spaziergang durch die Koblenzer Altstadt. Statt mit einer Kamera ausgestattet machte er sich mit zwei höchst speziellen Mikrofonen in seinen Ohren auf den Weg vom Görresplatz über die Rheinstraße, Rheinufer, Deutsches Eckes, Moselufer, Eltzerhofstraße zurück zum Görresplatz. Es war still im Saal denn die Höreindrücke von Stimmen, Kinderlachen, Baustellen, Autos und einfach nur ruhigen Schritten waren verblüffend. Das Projekt Altstadtrauschen wurde zusammen mit einem Workshop von Hörstudio S gefördert.

Gegen 22:00 Uhr endete der 15. Koblenzer HörDialog. Die Teilnehmer waren von den vielseitigen und meist nicht bekannten Ausführungen und den Ausblicken in die technischen Möglichkeiten der nahen Zukunft begeistert.

 

Dr. Henning Engeln

 

Rainer Hüls

 

Sascha Haag

 

Christopher Southernwood